|
Das Problem an dem System – ist das System
Du denkst, du bist was Besonderes? Du denkst, du bist wertvoll? Falsch gedacht! Solange niemand deine Arbeitskraft kaufen will, bist du in dieser Gesellschaft gar nichts wert. Wenn du nur einen Mini-Job bekommst, beträgt dein persönlicher, momentaner Wert: 400 €. Das gilt zwar nur auf dem Arbeitsmarkt, aber von „ein wertvolles Mitglied der Gesellschaft sein“ kannst du keine Miete zahlen. In unserer Gesellschaft dreht sich fast alles darum Geld zu verdienen und Geld zu vermehren. Was niemand kaufen will, hat auch keinen Wert. Banken, die viele „Wertpapiere“ vertrieben und gekauft haben, mit denen mensch jetzt kein Geld mehr verdienen kann, sind plötzlich selbst nichts mehr wert. „Werte“ von ein paar Billionen Euro sind so einfach verschwunden. Im Zuge der Finanzmarktkrise, die inzwischen auch die Wirtschaft fest im Griff hat, werden bald viele Menschen nicht mehr gebraucht, weil sich mit ihrer Arbeit nichts mehr verdienen lässt. Armut, Reichtum, Arbeitslosigkeit, Konkurrenz bis zum Umfallen – das, was immer stattfindet, wird in der Krise noch mal schlimmer. Es ist der ganz normale Wahnsinn einer auf Geldvermehrung ausgerichteten Gesellschaft. Ein Irrsinn der jeden Tag stattfindet, der unser Leben von Marktgesetzen abhängig macht und dabei viele zerstört.
Die kapitalistische Wirtschaft ist durch Kredite geschaffen worden und wird nur mit Hilfe dieser Kredite weiter am Laufen gehalten. Eine Krise der Banken und Finanzmärkte hat also immer Auswirkungen auf Industrie und Gewerbe, deren „Kapitalhunger“ und Zwang zu ständigem Wachstum den Finanzmarkt überhaupt erst möglich und nötig gemacht hat. Sie nehmen nicht nur gern das Geld aus dem Kreditsystem, sie legen ihre „Überschüsse“ dort auch gewinnbringend an. Raten müssen bezahlt, die Erwartungen von Anlegerinnen und Gläubigern irgendwie erfüllt werden, davon hängt in der Wirtschaft alles ab. Gelingt dies nicht, „fliehen“ die Investoren und die Unternehmen gehen pleite. Genau genommen geht es also darum, dass alle auf beständiges Wachstums und zukünftige Gewinne vertrauen können. Derzeit ist so viel Zuversicht, auch mit Koks in der Nase, kaum mehr möglich und so betteln mittlerweile selbst manche Riesen unter den Konzernen beim Staat um Hilfe.
Die Autoindustrie bildet dabei einen neuralgischen Punkt des globalen Wirtschaftssystems. An ihr hängen nicht nur zahlreiche Zulieferbetriebe, sondern auch erhebliche Teile der Grundstoffindustrien wie Stahl und Chemie – ganz abgesehen von den Dienstleistungen aller Art an den jeweiligen Produktionsstandorten. Die Autonachfrage ist auf dem europäischen Markt schon seit Jahren rückläufig und lebte nur noch vom boomenden Export in die USA und die Schwellenländer. In dem Maße, wie nun die weltweite Nachfrage ins Stocken gerät, setzt zwangsläufig eine Kettenreaktion quer durch alle Produktionskomponenten ein. Wie weit die Wellen der Krise sich am Ende ausbreiten werden, bleibt weiter unklar. Eines jedoch wird deutlich: ein Überfluss an Waren, die niemand kauft, sorgt für goßen Mangel bei vielen Menschen, die deshalb ihre Arbeit verlieren. In diesem System sorgt der Überfluss dafür, dass mehr Menschen in Armut leben werden als vor der Krise. Häuser, die keiner mehr kauft, und die Obdachlosigkeit ihrer ehemaligen Bewohnerinnen und Bewohner sind zwei Seiten derselben Medallie.
Die zombiehaften Züge des kollektiven Wahns, mit dem sich ganze Gesellschaften der Vermehrung kleiner bedruckter Scheine verschreiben, fallen bei all dem kaum noch jemandem auf. Viel zu normal ist es, dass unser Leben, unsere Existenz vom Funktionieren irrationaler Märkte abhängt. Und dass eine kleine Elite sich auf dem Rücken aller anderen riesige Vermögen aneignet. Alle Vorstellungen, die sich, wie verbissen auch immer, an die Fata Morgana eines “Wohlstandskapitalismus” klammern, werden zunehmend irreal. Das demonstrative Kitten und Flicken dieses System bremst die notwendigen Diskussionen um wirkliche Alternativen ab, denn falsche Hoffnungen sind der beste Garant für das Stillhalten einer Bevölkerung, die bisher, wenn auch zuweilen murrend, alles mit sich hat machen lässen.
Es muss deshalb darum gehen, die Absurdität und ganze Brutalität des Systems deutlich sichtbar zu machen. Das Wissen darüber, wie Kapitalismus funktioniert und die Erkenntnis, dass der Staat uns nicht „retten“ wird, sind Voraussetzungen für den Widerstand gegen ein Menschen verachtendes und Umwelt zerstörendes System. Für was könnte eine globale Finanzkrise gut sein, wenn nicht für das Erwachen einer Begierde – eines unstillbaren Durstes nach einem Leben ohne Konkurrenz und Zwang, frei von Unterdrückung und Ausbeutung. Der Schlüssel zur Überwindung dieser Zumutungen und Krisen liegt im Kampf um eine alternative Gesellschaft, in der die Wirtschaft den Bedürfnissen der Menschen dient. Wir werden deshalb weiter aktiv sein im Aufbau politischer Gruppen und Netzwerke, die vor allem ein Ziel haben: die Überwindung des Kapitalismus.
Lasst uns kritisch sein sein, lasst uns wütend sein, lasst uns rufen: „Wir wollen ein ganz anderes Ganzes“. Einen Schutzschirm für Menschen, einen Sicherheitsgurt für Lohnabhängige, eine Entlastung von Menschen in Not – das alles sofort und eine andere Gesellschaft so schnell wie möglich!
------------ weiterführender Text -------------------------------------------------------
Wir bezahlen für die Krise! (Joachim Hirsch, Prof. Politikwissenschaft)
---------------------Links zum Thema ---------------------------------------------------
LJ ['solid] Sonderseite zur Krise >>
Sonderseite der Rosa-Luxemburg Stiftung, mit vielen Analysen und Texten >>
------------------- Litteraturtipps --------------------------------------------------------
Globale Finanzkrise: Über Vermögensblasen, Realökonomie und die »neue Fesselung« des Kapitals; von Joachim Bischoff; 2009
Schön reich - Steuern zahlen die anderen: Wie eine ungerechte Politik den Vermögenden das Leben versüßt; von Sascha Adamek, Kim Dr. Otto ; 2009
|