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Ob Kita oder Uni – Elite war als Kind schon scheiße!
Du lernst für dich selbst, nicht für die Schule. Stimmt das eigentlich? Sind die Schulen gemacht, um uns auf ein selbstbestimmtes Leben vorzubereiten? Wie und was wir lernen, ist massiv durch vollgestopfte Lehrpläne, Vergleichsarbeiten und Zentralabitur bestimmt. Durch Noten werden wir vergleichbar für die die Unis und die Wirtschaft, die persönliche Entwicklung ist dabei nachrangig. Mensch lernt von Anfang an, dass Konkurrenzverhalten, Einzelkämpferstrategien und gegenseitiges Fertigmachen belohnt werden. Hinzu kommt, dass die Schule soziale Spaltung verschärft. Viele junge Menschen aus einkommensschwachen Familien und/oder mit migrantischem Hintergrund werden hierbei strukturell benachteiligt und fallen durch das gesellschaftliche Raster – ein Trend, den die Krise noch weiter verstärken wird.
Ob die Bildungspolitik der Regierenden wirklich „gescheitert“ sei, kommt trotzdem ganz auf die Perspektive an, denn die soziale Spaltung im System ist nicht einfach purer Unfall. Sie ist vielmehr gewollt, wird zumindest in Kauf genommen und einkalkuliert. CDU, SPD, FDP und Grüne haben sich schon vor etlichen Jahren vom Ziel guter Bildung für alle verabschiedet. Elite war das neue Zauberwort. Als Leitbild der Bildunsgpolitik meint Elite vor allem Spaltung: Wenige können sich in die Spitze der Gesellschaft einkaufen oder hocharbeiten, der Rest wird billig abgespeist oder ausgesiebt und ruhig gestellt. Während die herrschende Politik sämtliche Bildungssektoren durch den Privatisierungsfleischwolf dreht und die öffentlichen Ausgaben immer weiter kürzt, vertieft sich die Spaltung in oben und unten: Nichts hat sich daran geändert, dass die individuellen Chancen im deutschen Bildungssystem in hohem Maße von der sozialen Herkunft abhängen.
Lernfabriken abschaffen Mit der Einführung des Turbo-Abiturs und des dreijährigen Bachelors an den Unis hat der Leistungsdruck für alle zugenommen. Hinzu kommen die Trennung nach der vierten Klasse, Kopfnoten, Lernmittelknappheit, Unterrichtsausfall, gestresste Lehrkräfte und fehlende Mitspracherechte. Während alle, die sich mangels Geld nicht auf Privatschulen und Elite-Unis abseilen können, Opfer dieser Zustände werden, profitieren Geldeliten und Konzerne sogar von der Situation: Die einen können ihre privilegierte Stellung im Gesamtgefüge ungestört absichern, die anderen bekommen Azubis und Arbeitskräfte weiter für lau. Zudem gewinnen sie durch Public-Private-Partnerships und über die Arbeit professioneller Denkfabriken zunehmend auch Einfluss auf die Bildungsinhalte selbst und passen sie den eigenen Vorstellungen und Anforderungen an.
Kein Grund zum Feiern: 10 Jahre Bologna Kaum eine Reform hat die Hochschullandschaft so stark verändert wie der so genannte Bologna-Prozess. Nach 10 Jahren ist das Gegenteil dessen eingetreten, was anfangs versprochen wurde: Die neuen Bachelor- und Master-Studiengänge sind unflexibel, die Studierenden sehen sich mit einer enormen Arbeitsbelastung und der Verschulung ihres Studiums konfrontiert. Das große Lernpensum und die strikten Vorgaben der Studienpläne lassen weder Raum für kritischen Reflexion noch für ehrenamtliches Engagement oder die oft notwendige Lohnarbeit neben dem Studium. Beim Auslandsstudium ist die Anerkennung von Studienleistungen nach wie vor problematisch, der Wechsel auf eine andere Hochschule innerhalb Deutschlands insgesamt erschwert. Die Zahl der Studienabbrüche ist in Folge all dessen deutlich gestiegen: Vor der Einführung des Bachelor brach jede_r Fünfte das Studium ab, heute schmeißt bereits jede_r Dritte das Handtuch.
Die soziale Selektion im Bildungssektor wird neben dem gegliederten Schulsystem vor allem durch Gebühren hervorgebracht. Auch an vielen öffentlichen Hochschulen müssen die Studierenden inzwischen bis zu 500 Euro abdrücken und allen ist klar, dass es sich dabei erst um den Einstieg in ein Bezahlstudium handelt. Das wollen wir nicht hinnehmen und fordern stattdessen freie Bildung für alle. Studiengebühren in jeglicher Form lehnen wir entschieden ab. Die bestehenden Hürden für den Hochschulzugang sowie beim Übergang vom Bachelor zum Master müssen abgebaut werden.
Ausbilden statt Ausbeuten Jedes Jahr bewerben sich viele vergeblich um einen Ausbildungsplatz und werden anschließend doch nur in eine so genannte Warteschleife abgeschoben. Allen Versprechungen zum Trotz: Es gibt nicht genügend Ausbildungsplätze in Deutschland. Das Aussuchen der interessantesten und geeignetsten Angebote können sich dabei nur die wenigsten leisten, genommen wird, „was man kriegt“ oder eben übrig bleibt. Viele junge Menschen suchen schon lange und verzweifeln angesichts der vielen Absagen. Wer etwas gefunden hat, wird oft mit wenig qualifizierenden Tätigkeiten wie dem Fegen der Werkstatt beschäftigt, andere sollen eine bezahlte Arbeitskraft ersetzen, obwohl sie nie entsprechend ausgebildet wurden. Die Vergütung ist meist völlig unzureichend, unbezahlte Überstunden sind die Regel. Das alles muss sich dringend ändern. Wir brauchen eine sichere Ausbildung für alle, finanziert durch eine verplichtende Abgabe nicht ausbildender Betriebe: Wer nicht ausbildet, soll zahlen! Neben der Gewährleistung eines angemessenen Einkommens muss die Mitbestimmung in den Betrieben und Ausbildungsstätten ausgebaut werden.
In den Lernfabriken des modernen Bildungssytems muss sich alles rechnen, effizient und verwertbar sein. Schülerinnen und Schüler, Studierende und Auszubildende sollen in erster Linie lernen sich und ihr „Humankapital“ zu vermarkten statt in ein selbstbestimmtes Leben zu starten, das abseits des Hamsterrads von Leistung und Karriere nach anderen Antworten sucht. Es braucht massenhaften Druck von unten, um den neoliberalen Bildungsreformen eine ordentliche Breitseite zu verpassen. Der Streik im Juni war ein gelungener Auftakt für eine neue Welle emanzipatorischer Bildungskämpfe. Lasst uns für ein solidarisches Bildungssystem streiten, das niemanden ausschließt und die Entwicklung eines gerechteren Gemeinswesen ermöglicht.
------------ weiterführende Texte -------------------------------------------------------
Schule was soll das >>
germanys next Topuni >>
---------------------Links zum Thema ---------------------------------------------------
Bildungsblog >>
------------------- Literaturtipps --------------------------------------------------------
Erziehung im Kapitalismus: Von den Grundlügen der Pädagogik und dem unbestreitbaren Nutzen der bürgerlichen Lehranstalten
von Freerk Huisken,
Ware Bildung: Schule und Universität unter dem Diktat der Ökonomie (Gebundene Ausgabe) von Jochen Krautz
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